Veranstaltung
Brauchtum mit Zukunft: Feldgeschworene feiern 600-jähriges Bestehen in Horbach
(29.05.2026) Langenzenn-Horbach, Landkreis Fürth – Ein Dorf ganz im Zeichen der Tradition: Die Feldgeschworenen in Stadt und Landkreis Fürth haben das 600-jährige Bestehen der Feldgeschworenenvereinigung Langenzenn sowie das zehnjährige Jubiläum des Feldgeschworenenwesens als Immaterielles Kulturerbe Deutschlands gefeiert. Höhepunkt des Festakts war die Enthüllung eines neuen Denkmals am kleinen Freilichtmuseum Siebenerplatz.
Sie sind die Hüter der Grenzen, genießen höchstes Vertrauen und wachen seit Jahrhunderten über den dörflichen Frieden: die Feldgeschworenen, in Franken besser bekannt als Siebener. Am Freilichtmuseum schlug nun die Geburtsstunde des imposanten Monuments: Schirmherr und Heimatstaatssekretär Martin Schöffel enthüllte gemeinsam mit einer hochkarätigen Ehrengast-Runde den neuen, über zwei Meter großen Jubiläumsstein aus Granit. Neben dem Siebener-Vorsitzenden Hans Satzinger waren auch die Landtagsabgeordneten Petra Guttenberger, Gabi Schmidt, Werner Stieglitz und Harry Scheuenstuhl bei diesem historischen Moment dabei. Ebenso ließen es sich Fürths Landrat Bernd Obst und der dritte Bürgermeister der Stadt Fürth, Dietmar Helm, nicht nehmen, das Werk vor Ort zu begutachten. Für Langenzenns neuen Bürgermeister Christian Ell war die Veranstaltung ein echtes Highlight zu Beginn seiner Amtszeit.
Inmitten der historischen Grenzsteine spannte Wolfgang Neukirchner, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken, in seiner Ansprache einen Bogen von mittelalterlichen Geheimnissen bis hin zur hochmodernen Flurneuordnung. In Feststimmung zeigte sich der Behördenchef auch beim Blick auf den Kalender. Das traditionsreiche Jubiläum in Horbach fand am 77. Geburtstag des Grundgesetzes statt – und passend zum ersten bundesweiten „Tag des Ehrenamts“, den Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Leben gerufen hat. Für den Amtsleiter die perfekte Steilvorlage: „Ein Mitmachtag – das passt hervorragend zum Ehrenamt der Feldgeschworenen. Wir vom Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken wissen genau, was wir an der zuverlässigen und verantwortungsvollen Arbeit, am Mitmachen der Feldgeschworenen haben, und schätzen sie deshalb sehr.“
Besonders hob Wolfgang Neukirchner hervor, dass moderne Technik den Menschen vor Ort niemals ganz ersetzen kann. „Aufgrund ihres Könnens, ihrer langjährigen Erfahrung und vor allem ihrer Ortskenntnisse sind die Feldgeschworenen immer zuverlässige Partner unseres Amtes und der Teilnehmergemeinschaften bei der Abmarkung“, betonte Neukirchner mit Blick auf den frisch enthüllten Stein.
Eine Partnerschaft seit über 100 Jahren
Die Erfolgsgeschichte zwischen dem Amt und dem Landkreis Fürth ist lang und messbar: Stolze 51 Projekte der Flurneuordnung und Dorferneuerung wurden seit 1920 bereits erfolgreich abgeschlossen. Die Wiege dieser Zusammenarbeit liegt direkt in der Nachbarschaft: Das älteste Projekt startete 1920 in Tuchenbach, dicht gefolgt vom ersten Verfahren in Langenzenn-Kirchfembach im Jahr 1924. Einen Meilenstein stellte das gigantische Gruppenverfahren „Fürth-Nord“ von 1984 dar, das über 6000 Hektar umfasste und den Ausbau der Bundesstraße B8 begleitete. Ein bleibendes Denkmal aus der Zeit ist genau jener Siebenerplatz in Langenzenn, auf dem die Festgäste an diesem Tag standen. „Das ist eine hervorragende Möglichkeit, das Siebenerwesen einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen“, lobte Neukirchner das Areal.
Dass die Siebener kein Auslaufmodell sind, beweisen die aktuellen Zahlen der Ländlichen Entwicklung im Landkreis Fürth. Derzeit laufen 14 Projekte – getragen von einer starken interkommunalen Zusammenarbeit in der Zenngrund Allianz und der Allianz Biberttal-Dillenberg. Und die Arbeit geht den Hütern der Grenzen so schnell nicht aus, denn bei den anstehenden Abmarkungen und Flurneuordnungen sind die Feldgeschworenen auch in Zukunft massiv gefordert. Im Jahr 2025 flossen Gesamtinvestitionen von 2,1 Millionen Euro (davon 1,7 Millionen Euro reine Fördergelder) in den Landkreis Fürth. Ein Dank des Amtsleiters ging daher direkt an die Politik – insbesondere an Staatssekretär Schöffel und die anwesenden Abgeordneten – für die verlässliche Unterstützung in den kommenden beiden Jahren. „Damit haben wir Planungssicherheit. Die Abgeordneten sind im ländlichen Raum präsent und sehen, dass mit den Mitteln viel Gutes bewegt wird“, so Neukirchner.
Mit einem großen Lob für das „beeindruckende und interessante“ Jubiläumsprogramm schloss der Amtsleiter seine Rede und warf den Blick nach vorn: „Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen im ländlichen Raum.“ Im Anschluss wartete ein buntes Programm: Eine Ausstellung beleuchtete die jahrhundertealte Geschichte des Siebenerwesens und der Film „Die Feldgeschworenen – Hüter der Grenzen“ sorgte für Kinostimmung. Bei Führungen durch das Freilichtmuseum informierten sich die Gäste oder ließen sich bequem mit der Pferdekutsche dorthin fahren. Die jüngsten Besucher eiferten den Profis nach. Beim Kinderprogramm vermaßen sie eigene Grundstücke und ergatterten bei einem kniffligen Parcours tolle Gewinne. Gemeinsam mit Vorführungen der Vermessungsämter feierten die Horbacher und ihre Gäste das lebendige Kulturerbe bis in den Abend hinein.