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Vom Kuhstall nach Südkorea: Simonshofen feiert erfolgreichen Abschluss

Außenansicht des Simonshofer Dorfladens, der einladend in einem sanierten, ehemaligen Kuhstall untergebracht ist.Zoombild vorhanden

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

(03.07.2026) Lauf an der Pegnitz, Landkreis Nürnberger Land – Jahrelang prägten zersplitterte Äcker und marode Ortsstraßen ohne Gehwege den Alltag in Simonshofen, nun hat der Laufer Ortsteil den Abschluss eines echten Großprojekts gefeiert. Mit einer besinnlichen Andacht, musikalischer Umrahmung durch den Gesangsverein Simonshofen 1871 und einem bunten Dorffest schlossen die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit der Stadt Lauf und dem Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken die kombinierte Flurneuordnung und Dorferneuerung offiziell ab.

Was im Juli 2006 bei einer Aufklärungsversammlung im Gasthaus „Goldener Hirsch“ begann, entwickelte sich zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte unter dem Bürgermotto: „Zukunft für unsere Heimat Simonshofen – fränkisch, menschlich, attraktiv!“. Insgesamt flossen rund 4,2 Millionen Euro an öffentlichen und privaten Geldern in den Ort und die Flur.

Vom Kuhstall zum internationalen Vorzeigeladen

Das absolute Herzstück im Ort ist der Dorfladen. Er entstand 2010 in einem alten Kuhstall, die Bürger betreiben ihn selbst als Genossenschaft. Der Laden sichert nicht nur den täglichen Einkauf, er ist auch der wichtigste Treffpunkt im Dorf. Mit einer kleinen Finanzspritze vom Amt für Ländliche Entwicklung leisteten die Bürger in über 2.500 Arbeitsstunden echte Hilfe zur Selbsthilfe. Das Simonshofer Modell war so erfolgreich, dass es dieses Jahr sogar als Paradebeispiel in einem wissenschaftlichen Magazin in Südkorea gelandet ist.

Auch für die Sicherheit auf den Straßen ist viel passiert. So erhielten sowohl die Kreisstraße in der Hopfenstraße als auch in der Hüllstraße erstmalig einen Gehweg. Der Landkreis Nürnberger Land unterstützte dabei durch einen Neuausbau dieser beiden verkehrsreichen Hauptachsen. Es folgten der barrierefreie Ausbau von weiteren Straßen und Gehwegen, die Neugestaltung des Kriegerdenkmals sowie die Erweiterung des Dorfplatzes mit einem neuen Brunnen. Der schlaglochreiche Parkplatz am Sportheim verwandelte sich in eine Parkfläche mit viel Grün.
Parallel dazu löste die staatliche Förderung von privaten Dorferneuerungsmaßnahmen einen wahren Investitionsboom aus: Bei 45 Projekten – wie der Sanierung des ehemaligen Gasthauses Falkner oder des „Kellerhäusels“ – steckten die Bürger rund 2,72 Millionen Euro in den Erhalt ihrer ortsbildprägenden Gebäude.

Gruppenfoto mit vier lächelnden Personen im Außenbereich, die an der Dorferneuerung und Flurneuordnung in Simonshofen beteiligt waren.Zoombild vorhanden

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

Knochenarbeit in der Flur: 5.500 gegrabene Löcher für die Neuordnung
Noch tiefgreifender waren die Veränderungen draußen in der Natur. Durch die Flurneuordnung wurden die ehemals kleinparzellierten Flächen neu geordnet. Die größeren Flächen bringen den lokalen Landwirten heute eine enorme Arbeitserleichterung. Der Flächentausch legt den Grundstein für den Landkreis Nürnberger Land: Geplant ist, die 90-Grad-Kurve am nördlichen Ortsrand Richtung Bullach zu entschärfen.

Gleichzeitig entstanden neun Kilometer neu befestigte Flurwege und 34 artenreiche, neue Naturräume wie Biotope, Erdbecken und Streuobstwiesen. Um die aufwändige Pflege dieser Areale zu sichern, übernimmt die Stadt Lauf den Unterhalt der Flächen, während die Herde eines lokalen Schäfers sie durch Grasen pflegt.

Blick in ein Festzelt beim Dorffest in Simonshofen. Auf der linken Seite sitzt Amtsleiter Wolfgang Neukirchner, rechts Bürgermeister Thomas LangZoombild vorhanden

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

Hinter diesen nackten Zahlen steckte für den Vorstand der Teilnehmergemeinschaft bisweilen harte Knochenarbeit im Dienst für die Allgemeinheit. Allein für die Wertermittlung der Böden gruben die Beteiligten über 5.500 Schätzlöcher von Hand. Hunderte von neuen Grenzsteinen aus Granit setzten die Feldgeschworenen. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Himml erinnerte sich in seinem Rückblick an einen tierischen Helfer: Der Hund eines Feldgeschworenen inspizierte jedes Loch für die Grenzsteine vorab penibel.
Menschliches Miteinander als wichtigster Erfolg

„Ohne Leute, die mitdenken, mitmachen und anpacken, ist keine Entwicklung möglich“, betonte Wolfgang Neukirchner, Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Mittelfranken. Er hatte das Verfahren von 2004 bis 2014 selbst als Projektleiter begleitet: „In Simonshofen ist uns allen ein echter Volltreffer gelungen.“

Thomas Himml steht während des Dorffests an einem Mikrofon und hält mit einer Rede Rückblick auf das Simonshofer Großprojekt.Zoombild vorhanden

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

Thomas Himml dankte dem gesamten Vorstandsteam, den Planern sowie den „guten Seelen“, die die Sitzungen über all die Jahre hinweg ehrenamtlich mit Kaffee und Kuchen versorgten. Für Himml misst sich der wahre Erfolg des Mammutprojekts ohnehin nicht in Metern oder Euro, sondern im menschlichen Miteinander: „Ein älterer Simonshofer hat mir erzählt, dass eine entbuschte reaktivierte Streuobstwiese nach 60 Jahren wieder sein Schlittenhang ist. Dort rodelt er jetzt mit seinem Enkel. Das ist das Beste, das durch unsere Arbeit passieren kann.“

Wolfgang Neukirchner brachte zum Schluss gleich das nächste Ziel für Simonshofen ins Spiel: Eine Bewerbung für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken übernimmt ab dem kommenden Jahr die Organisation auf mittelfränkischer Ebene