Integrierte Ländliche Entwicklung
Das Wasser im Blick, die Zukunft im Griff: Veranstaltung in Flachslanden zeigt Wege für einen „Wasserkümmerer“
(31.07.2026) Flachslanden, Landkreis Ansbach – „Es weiß noch jeder ganz genau, was er an diesem Tag gemacht hat.“ Wenn Hans Henninger, Bürgermeister von Flachslanden, an den 29. Mai 2016 zurückdenkt, spüren die Zuhörer sofort den Ernst der Lage. Damals stürzten 150 Liter Regen pro Quadratmeter in nur wenigen Stunden auf den Ort herab. Eine Wand aus Wasser und Schlamm schoss durch die Straßen. Wegen dieser immer stärker auftretenden Wetterextreme trafen sich jetzt Bürgermeister, Behördenvertreter und Experten im Gasthaus „Rose“. Ihr Ziel bei der Impulsveranstaltung „Ländliche Entwicklung Obere Altmühl“: den Wetterextremen gemeinsam die Stirn bieten.
Die Sturzfluten gaben den Startschuss für die Initiative „boden:ständig“ des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken in Flachslanden. Atemberaubende 1.500 „Löcher“, Wegseitengräben und Rückhaltebecken grub die Gemeinde im Flurgebiet, um abfließendes Wasser nach Unwettern effektiv auszubremsen. Das Besondere an diesem Kraftakt: Die Gemeinde beschränkte sich nicht nur auf die eigenen kommunalen Flächen. Auch im Staatswald entstanden Wegseitengräben, wie Marktgemeinderat und Umweltbeauftragter Ulrich Meßlinger erklärte.
Ein unsichtbares Problem: Wenn Land im See versinkt
Eine Zahl der jüngsten Fachtagung zur Altmühlseeregion ließ die Anwesenden aufhorchen: Rund 800.000 Kubikmeter Sediment lagerten sich seit der Entstehung bis zum Jahr 2014 auf dem Grund des Altmühlsees ab. Jährlich kommen 25.000 Kubikmeter dazu. Das ist kein harmloser Schlamm. Heftige Regenströme schwemmten hier wertvollsten Ackerboden inklusive wichtiger Nährstoffe von den Feldern. Wolfgang Neukirchner, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Mittelfranken, brachte das Problem auf den Punkt: „Am Altmühlsee zeigt sich der Klimawandel deutlich. Er ist greifbar wegen der Blaualgen.“ Die fatalen Folgen: Die Algenplagen belasten nicht nur die Natur, sondern bedeuten auch herbe finanzielle Einbußen für die gesamte Urlaubsregion.
Im Einzugsgebiet des Altmühlsees bündeln insgesamt 26 Gemeinden in drei großen Integrierten Ländlichen Entwicklungen (ILE) ihre Kräfte. Bei der Impulsveranstaltung im gastgebenden Markt Flachslanden (selbst Mitglied der ILE NorA) saßen genau die Macher am Tisch, die diese Kulisse abbilden: die Bürgermeister der ILE Altmühlland A6, der ILE Altmühl-Mönchswald-Region und der ILE Region Rothenburg. Weil Wasser nun mal keine Gemeindegrenzen kennt, mache es Sinn, wenn die Kommunen das Problem jetzt gemeinsam an der Wurzel anpackten, so Neukirchner.
Für die künftige Koordination schlug Wolfgang Neukirchner einen eigenständigen „Wasserkümmerer“ vor. Das Amt für Ländliche Entwicklung bietet den Gemeinden dafür eine attraktive finanzielle Förderung an, ähnlich wie bei bestehenden kommunalen Allianzen. Die finanzielle Entlastung nimmt den Kommunen diese Sorge – jetzt müssen sie die Chance nur noch gemeinsam ergreifen.
Ein starkes Netzwerk: Fachreferenten zeigen Chancen auf
Dass die enge Verzahnung aller Akteure der Schlüssel zum Erfolg ist, machten die geladenen Fachreferenten der verschiedenen Verbände und Behörden in ihren Vorträgen deutlich. Wo die Vorteile für die drei Integrierten Ländlichen Entwicklungen liegen, zeigten Direktor Ottmar Braun vom Bayerischen Bauernverband, Matthias Rummer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach und Abteilungsleiterin Helga Pfitzinger-Schiele vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach auf. „Die Behörden arbeiten beim Thema Klimawandel bestens zusammen“, lobte Wolfgang Neukirchner dieses perfekt verzahnte Netzwerk.
Dass Zusammenarbeit funktioniert, zeigte der Blick nach Leutershausen. Dort fand vor kurzem der erste Bodenschutztag der Region statt. Bürgermeister Markus Liebich betonte die Kraft der Gemeinschaft: „Das wichtigste Signal: Alle müssen an einem Strang ziehen.“ Der klimaresiliente Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim feiert mit dieser partnerschaftlichen Strategie bereits erste Erfolge. Jonas Preinl vom Büro GeoTeam arbeitet als Umsetzungsbegleiter in der „Schwammregion Aisch, Aurach & Zenn“. Er sprach darüber, was ein „interkommunaler Wasserkümmerer“ bringt.
Im praktischen Teil ging es raus auf die Flächen. Hier zeigten die Experten der Initiative „boden:ständig“ und Ulrich Meßlinger, wie modernes Wassermanagement und Bodenschutz heute aussehen. Mit einfachen, aber cleveren Kniffen bremsen die Beteiligten abfließendes Wasser effektiv aus. Sie gaben früheren Bächen wieder mehr Platz und legten gezielte Wegseitengräben im Staatswald an. Ulrich Meßlinger hob den doppelten Nutzen hervor: Durch die Maßnahmen entstanden wertvolle Wasserspeicher, die weit bis in die extremen Dürrephasen hineinreichen. Das schützt die Natur und begeistert die Bevölkerung: „Das ist ein großer Motivationsschub – auch für Menschen beim Spazierengehen, die das Wasser sehen, obwohl es sehr trocken ist“, freute sich Meßlinger.
Dass Klimaschutz im Alltag oft gar nicht kompliziert oder unbezahlbar sein muss, machte Bürgermeister Markus Liebich mit einem Beispiel aus Leutershausen deutlich. Über den Naturpark Frankenhöhe hob die Stadt im Herbst 2025 bereits 60 Gumpen an 15 Standorten aus – die Kosten: 5000 Euro. Sein motivierendes Fazit: „Kommunen können viel bewegen. Es reicht manchmal, einen Bagger zu haben.“ ALE-Leiter Neukirchner machte den Teilnehmern zum Abschluss Mut für die Umsetzung vor Ort: „Man kann was tun, jeder kleine Schritt in die richtige Richtung ist wichtig.“
Fotos: Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken, Abdruck honorarfrei