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Veranstaltung
Ländliche Entwicklung trifft Wasserwirtschaft: Referendare erleben gutes Zusammenspiel im Seenland

Eine Gruppe von Referendaren läuft im Gänsemarsch von hinten fotografiert über einen Pfad in Richtung Hahnenkammsee.Zoombild vorhanden

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

(01.06.2026) Pleinfeld/Heidenheim, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen – Wenn im fränkischen Rohrachtal der Himmel seine Schleusen öffnete, hieß es für die Menschen rund um den Hahnenkammsee früher oft: Land unter. Schlamm und Wassermassen wälzten sich von den Äckern direkt in die Orte. Wie man solche Naturgewalten bändigt, indem Wasserwirtschaft und Ländliche Entwicklung Hand in Hand arbeiten, sahen sich jetzt knapp 20 bayerische Referendare mit ihren Ausbildungsleitern an. Das Fränkische Seenland diente dabei als Paradebeispiel für gelebte Teamarbeit über Behördengrenzen hinweg.

Der Startschuss für die Exkursion fiel an der Mandlesmühle in Pleinfeld. Helga Pfitzinger-Schiele, Abteilungsleiterin am Wasserwirtschaftsamt Ansbach, nahm den Nachwuchs mit auf eine Zeitreise. Seit den 1970er-Jahren sorgt das gigantische Seenland-Infrastrukturprojekt dafür, das trockene Nordbayern mit Wasser aus dem Süden zu versorgen und gleichzeitig das Altmühltal vor Hochwasser zu schützen.
Dass dieses Jahrhundertwerk gelang, ist auch ein Verdienst des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken. Die Behörde ebnete im Hintergrund den Weg: Mit über 34 Flurneuordnungs- und Dorferneuerungsverfahren auf rund 34.000 Hektar organisierte das ALE die nötigen Flächen, löste Landnutzungskonflikte und sicherte Landwirten durch geschickten Grundstückstausch die Existenz. Ein Volltreffer für die Region, die sich so zum Tourismusmagneten mit sicheren Arbeitsplätzen entwickelte.
Wie viel Hightech heute im System steckt, zeigte der Besuch im Infozentrum „Mandlesmühle“ des Wasserwirtschaftsamts Ansbach. Die multimediale Ausstellung spannt den Bogen von Kaiser Karls historischem Grabenbau im Jahr 793 bis zur computergesteuerten Wasserüberleitung von heute – echte Millimeterarbeit am Bildschirm.
Jakob Meier und Markus Früh stehen links im Bild vor einer Gruppe von Referendaren auf einer saftig grünen Wiese am Hahnenkammsee.

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

Gruppenbild von links nach rechts mit Bürgermeister Karl Schirmer, Ingo Steinbrecher, Jakob Meier, Markus Früh und Lena Bentele unter freiem Himmel.

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

Ein großes Gruppenfoto der Exkursionsteilnehmer, die nebeneinander aufgereiht vor der Kulisse des Hahnenkammsees stehen.Zoombild vorhanden

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

Zwei Behörden, ein Ziel: Rettung für den Hahnenkammsee
Nach der Staustufe am Brombachsee zog die Gruppe weiter zum Hahnenkammsee. Das Naturidyll – der erste künstliche Speichersee der Region – kämpfte jahrelang mit Blaualgen-Plagen, ausgelöst durch Schlamm-Sturzfluten nach Unwettern. Hier greift die behördenübergreifende Allianz: Während das Wasserwirtschaftsamt für die Gewässer zuständig ist, packt das ALE Mittelfranken das Problem über die Initiative „boden:ständig“ direkt an der Wurzel auf den Feldern an. Seit 2018 läuft das Projekt als gemeinsamer Krisenmanager.
Das ALE-Team vor Ort – Abteilungsleiter Ingo Steinbrecher, Umsetzungsbegleiter Jakob Meier, Mitarbeiterin Lena Bentele und Projektleiter Markus Früh – stellte die Strategie vor. Die Landwirte bewirtschaften ihre Äcker heute so, dass der Boden Regenwasser wie ein Schwamm aufsaugt. Wo das nicht reicht, lenkt ein gezielter Landschaftsumbau das Wasser um, speichert es zwischen und lässt es kontrolliert versickern.
Helga Pfitzinger-Schiele vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach steht zusammen mit einigen Referendaren im Infozentrum Mandlesmühle im Gespräch.Zoombild vorhanden

Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken

Die Praxis überzeugt: 6.600 Badewannen voll Schlammwasser gestoppt
Wie das in der Realität aussieht, besichtigte die Gruppe in Hechlingen am See. Wo früher Sturzfluten in den Ort schossen, bremsen heute vier hintereinandergeschaltete Becken die Flut. Rund 1000 Kubikmeter Wasser – die Masse von fast 6.600 vollen Badewannen – werden hier aufgefangen. Das Wasser beruhigt sich, der Schlamm setzt sich ab, und sauberes Wasser fließt kontrolliert ab.
Zum Abschluss ging es zur Balsenmühle bei Heidenheim, wo eine ungenutzte Wiese in eine natürliche Wasserrückhaltung verwandelt wurde. Das Erfolgsgeheimnis am Hahnenkamm bleibt die enge Kooperation. Hier arbeiten Wasserwirtschaft, Ländliche Entwicklung, der Landschaftspflegeverband, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Marktgemeinde Heidenheim Hand in Hand mit den Landwirten und Anwohnern. Rund 160.000 Euro an Fördergeldern flossen bereits in die „boden:ständig“-Maßnahmen – angesichts der umfangreichen Erdarbeiten ein extrem effizienter Mitteleinsatz für die Sicherheit der Bevölkerung.